Sir John Falstaff existierte in der Geschichte nicht. Er ist eine reine Erfindung von William Shakespeare, obwohl der Barde nicht bei Null angefangen hat. Er stützte sich stark auf eine echte, wenn auch berüchtigte Figur: Sir John Oldcastle. Oldcastle war Soldat und der Märtyrerführer der Lollard-Sekte im frühen 15. Jahrhundert. Der Zusammenhang war klar. Für manche Geschmäcker zu klar.
Shakespeare schrieb die Figur ursprünglich als Sir John Oldcastle im ersten Entwurf von Heinrich IV., Teil 1. Das war um 1596 oder 1597. Das Stück war nicht nur ein Theaterstück; Es war eine tickende Zeitbombe. Die Nachkommen von Oldcastle hatten bedeutende Macht am königlichen Hof. Sie bemerkten die Namensänderung. Und sie protestierten. Laut.
Also blinzelte Shakespeare. Bevor das Stück offiziell registriert wurde, tauschte er den Namen. Die neue Wahl? Sir John Falstaff. Warum dieser spezielle Name? Es war kein Zufall. Es erinnerte an Sir John Fastolf. Fastolf war ein feiger Ritter, den Shakespeare bereits in Heinrich VI., Teil 1 auf die Bühne gebracht hatte. Die sprachliche Verbindung war subtil, aber bewusst. Eine Anspielung auf einen früheren Misserfolg, verdeckt durch einen neuen Namen.
Die Namensänderung war nicht nur eine Höflichkeit; Es war eine Überlebenstaktik für die Produktion.
Dieser Dreh- und Angelpunkt macht deutlich, wie fragil das frühneuzeitliche Theater sein konnte. Man könnte einen Hit schreiben, aber wenn sich die falsche Adelsfamilie respektlos fühlte, musste das Drehbuch geändert werden. Oldcastle blieb für seine Anhänger ein Märtyrer. Für das Gericht hatte er einen sensiblen Ruf. Falstaff wurde zu einer Legende der Völlerei und des Witzes, aber der Schatten des echten Mannes blieb in den Knochen der Figur.
Warum bei der Anspielung auf den feigen Ritter bleiben? Vielleicht gefiel Shakespeare die Ironie. Man nimmt einen Namen, der mit Feigheit in Verbindung gebracht wird, und verbindet ihn mit einer Figur, die zwar fehlerhaft ist, aber eine gewisse robuste Vitalität besitzt. Es ist ein literarischer Taschenspielertrick.
Das Ergebnis ist eine der beständigsten Figuren der Literatur. Doch in der Entstehungsgeschichte geht es weniger um kreatives Genie als vielmehr um politischen Druck. Der Name Oldcastle war zu heiß, um damit umzugehen. Falstaff war cooler. Sicherer. Und unendlich unterhaltsamer.
Spielt der Name eine Rolle? Oder steht der Charakter auf eigenen Beinen, trinkt einen Sack und weicht dem Kampf aus? In den Geschichtsbüchern heißt es, der Name sei ein Kompromiss gewesen. Die Bühne sagt, dass es funktioniert hat.


















