Erdumlaufende Satelliten könnten innerhalb weniger Tage kollidieren, wenn die Bediener die Kontrolle verlieren, wie eine neu entwickelte Metrik namens „CRASH Clock“ zeigt. Dies ist keine hypothetische Bedrohung; Das Zeitfenster zur Vermeidung einer Katastrophe ist dramatisch geschrumpft. Die Uhr zeigt jetzt etwa 2,8 Tage an – gegenüber 128 Tagen vor nur sieben Jahren. Das heißt, wenn alle Satelliten aufgrund eines technischen Defekts, eines Cyberangriffs oder eines schweren Sonnensturms gleichzeitig funktionsunfähig würden, könnte es mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % innerhalb von 48 Stunden zur ersten Kollision kommen.
Das steigende Risiko im erdnahen Orbit (LEO)
Der Anstieg der Satellitenstarts, angetrieben durch Megakonstellationen wie Starlink von SpaceX, ist der Hauptgrund für diese eskalierende Gefahr. Seit 2018 ist die Zahl der aktiven Satelliten im LEO um 485 % gestiegen und lag im Mai 2025 bei über 11.700. Je mehr Satelliten in die Umlaufbahn gedrängt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Kollisionen, selbst mit aktuellen Kollisionsvermeidungssystemen.
Während die Bediener im Allgemeinen die Kontrolle behalten, können externe Ereignisse schnell die Sicherheitsmaßnahmen überfordern. Ein großer Sonnensturm könnte beispielsweise Satellitensysteme lahmlegen, sie manövrierunfähig machen und die Wahrscheinlichkeit katastrophaler Auswirkungen erhöhen.
Was ist die CRASH-Uhr?
Die von Forschern der University of British Columbia und der Princeton University entwickelte CRASH-Uhr modelliert das Kollisionsrisiko unter Worst-Case-Bedingungen. Dabei handelt es sich um ein statistisches Maß, das zeigen soll, wie wenig Spielraum für Fehler bei LEO verbleibt. Der abnehmende Wert der Uhr ist ein direkter Indikator für die zunehmende Belastung der Orbitalumgebung.
Forscher räumen ein, dass die genauen Werte möglicherweise etwas überschätzt sind, aber die Änderungsrate ist der entscheidende Faktor. Der rasche Rückgang des Zeitrahmens der CRASH-Uhr zeigt, dass das Risiko exponentiell wächst.
Das Kessler-Syndrom: Eine drohende Kaskade
Wenn Satelliten länger als der CRASH-Clock-Wert offline bleiben, könnte es zu mehreren Kollisionen kommen, die uns dem Kessler-Syndrom näher bringen. Dieses theoretische Szenario geht davon aus, dass kaskadierende Kollisionen so viel Weltraumschrott erzeugen, dass LEO für zukünftige Missionen unbrauchbar wird. Während der genaue Wendepunkt noch unbekannt ist, deutet der aktuelle Trend darauf hin, dass wir möglicherweise in die frühen Stadien einer unumkehrbaren Kaskade eintreten.
Die Zahl der Orbitalstarts steigt weiter an, wobei im Jahr 2025 ein Rekord von 324 Starts verzeichnet wurde – ein Anstieg von 25 % gegenüber dem Vorjahr. Sofern sich diese Industrialisierung der Erdumlaufbahnen nicht verlangsamt, wird die CRASH-Uhr wahrscheinlich weiter sinken, was die Sicherheitsmarge für alle weltraumgestützten Anlagen weiter verringern wird.
Die immer kürzeren Zeitrahmen und steigenden Kollisionsrisiken in der erdnahen Umlaufbahn erfordern sofortige Aufmerksamkeit und proaktive Maßnahmen, um eine katastrophale Kaskade von Trümmern im Orbit zu verhindern.
