DNA-Beweise stellen die Entstehungsgeschichte von Christoph Kolumbus in Frage

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Seit Jahrhunderten positioniert die akzeptierte Erzählung Christoph Kolumbus als einen in Genua geborenen italienischen Entdecker. Jüngste forensische Untersuchungen deuten jedoch auf eine überraschende Wendung: Der berühmte Seefahrer könnte tatsächlich in Spanien als Sohn jüdischer Eltern geboren worden sein. Die Behauptung, die erstmals im Oktober 2024 bekannt gegeben wurde, basiert auf der DNA-Analyse von Columbus‘ Sohn Ferdinand und seinem Bruder Diego.

Die Kontroverse um den Geburtsort von Kolumbus

Die Debatte ist nicht neu. Historiker bezweifeln seit langem die Echtheit der schriftlichen Aussagen von Kolumbus über seinen Geburtsort, insbesondere eines Dokuments aus dem Jahr 1498, das seine genuesische Herkunft bestätigt. Einige spekulieren, dass der Entdecker seine wahre Herkunft absichtlich verschleiert hat. Die neuen genetischen Beweise fügen der Diskussion jedoch eine möglicherweise entscheidende Ebene hinzu.

Die forensischen Erkenntnisse: Eine spanische oder jüdische Abstammung?

Forscher unter der Leitung von José Antonio Lorente von der Universität Granada behaupten, dass das Y-Chromosom und die mitochondriale DNA von Kolumbus‘ Verwandten mit spanischen oder sephardischen jüdischen Abstammungslinien übereinstimmen. Dies widerlegt zwar nicht endgültig eine italienische Geburt, wirft jedoch zwingende Fragen auf. Warum wurde in den 1450er Jahren jemand sephardischer jüdischer Abstammung in Genua geboren?

Wissenschaftliche Prüfung und fehlende Daten

Die Ergebnisse, die in einer Sondersendung im spanischen Fernsehen ausgestrahlt wurden, stießen in der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf Kritik. Antonio Alonso, ehemaliger Direktor des spanischen Nationalinstituts für Toxikologie und forensische Wissenschaften, wies darauf hin, dass der Dokumentarfilm keine Rohdaten für eine Begutachtung durch Fachkollegen enthielt. Ohne nachprüfbare Beweise bleiben die Behauptungen spekulativ.

Der historische Kontext: Verfolgung und Migration

Die Möglichkeit jüdischer Abstammung ist in historischen Realitäten verwurzelt. Im späten 15. Jahrhundert kam es in Spanien zu intensiver religiöser Verfolgung, die jüdische Gemeinden ins Exil trieb. Viele suchten Zuflucht in italienischen Städten wie Genua, doch der Zustrom hielt sich in Grenzen. Wenn Kolumbus Jude war, wird seine Anwesenheit in Genua zu einem komplexeren Rätsel.

Jenseits der Genetik: Die größere Geschichte

Auch wenn sie bestätigt werden, bieten DNA-Beweise nur ein unvollständiges Bild. Die Identität von Kolumbus wurde von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Kräften geprägt. Wie es dazu kam, dass ein Angehöriger einer verfolgten Minderheit die spanische Expansion anführte, bleibt eine entscheidende Frage.

Die Geschichte von Kolumbus bleibt umstritten. Ob italienischer, spanischer oder jüdischer Abstammung, sein Vermächtnis als Katalysator der transatlantischen Kolonisierung ist unbestreitbar. Die Debatte geht vorerst weiter und wartet auf eine weitere Prüfung und Replikation der genetischen Erkenntnisse.

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